Über Startlöcher mit Spinnenweben (Starting Holes with Spider Webs)

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Über Startlöcher mit Spinnenweben (Starting Holes with Spider Webs)

(for English version, please scroll down)

Wir leben in aufregenden Zeiten. Je nach Perspektive mag man diese Phase als Zeiten des Abwärtsstrudels oder Zeiten des Aufbruchs deuten. Vielen Menschen gibt das ein Gefühl, aktuell mit den immer schneller werdenden Entwicklungen überfordert zu sein. Das immer wiederkehrende Empfinden ist dabei, man selbst sei zu klein und der eigene Einfluss nicht ausreichend, um für Veränderung zu sorgen.

Dazu kommt ein fast chronisch gewordenes Gefühl der Überforderungen durch immer neue Problemfelder und stetig aufkommende neue Baustellen, die es zu bearbeiten gilt. Gerade erst vegan geworden und Kurzstreckenflüge eingestellt, darfst Du plötzlich keine Avocados und Süßkartoffeln mehr essen. Im Deodorant steckt Aluminium, auch Elektroautos brauchen eine dreckige Batterie und plötzlich wird Dir auch noch gesagt, dass all Deine Sportbekleidung aus Plastik ist.

Natürlich ist es nicht verwunderlich, dass sich Menschen dadurch überfordert fühlen und ausgebremst werden. Aber für uns stecken hierin auch unzählige Chancen.

2019 - Das Jahr des Bewusstseins

Während 2019 gefühlt und wahrscheinlich wissenschaftlich belegbar das Jahr des Bewusstsein war, muss 2020 das Jahr des Aktivismus werden.

Im letzten Jahr kamen vegane Lebensweise, Klimawandel, Flugscham, Plastik im Meer oder steigender Rechtsradikalismus immens auf den Radar einer breiteren Öffentlichkeit.

Literatur, Massenmedien, Podcasts und Fernsehsendungen nahmen sich diesen und weiteren Themen an, die Timelines in sozialen Medien quollen über vor mahnenden, aber auch oft ratlosen Worten.

In vielen westlichen Ländern klafft aktuell noch eine große Lücke zwischen der Forderung nach Veränderung in der Gesellschaft und wirklichen Taten. Nehmen wir Deutschland als Beispiel. Eine repräsentative Studie der Zurich Versicherung zeigt diese Disbalance auf. Besonders in den Bereichen Reisen, Mobilität, der Verwendung elektronischer Geräte (zB Smartphones) und Fashion zeigen wir uns nicht von unserer grünsten Seite. Kurzreisen, das neuste iPhone und das neueste Paar Sneaker sind offensichtlich doch zu verlockend. Insbesondere bei den jüngeren ist dies zu beobachten. Und die älteren Generationen fragen sich, warum man auf die Straße geht sich aber selbst nicht entsprechend verhält. Das Finger-Zeigen und Polarisieren beginnt, in beide Richtungen.

2020 - the year of taking action

2020 ist es deshalb an uns, einen nächsten Schritt zu machen. Das Bewusstsein alleine ist wenig wert – die Startlöcher, in denen wir sitzen, sind bereits mit Spinnweben überzogen.

Aber wie bekommen wir nun die Energie transportiert, vom gerade erlangten Wissen, gepaart mit steigendem Unmut, hin zu einem Call-to-Action und dem nötigen Aktionismus?

So wie wir jede schlechte Angewohnheit durch gegenwirkende Routinen loswerden können, müssen wir auch gemeinsam Routinen entwickeln, um in den Zustand von Aufbruchstimmung zu kommen.

Denn seien wir ehrlich: nie war es einfacher, sich über Probleme unserer Zeit und natürlich auch über die naheliegenden Lösungen zu informieren. Über viele Unternehmen finden wir heute im Internet schnell Informationen zu Lieferketten, Produktionsstätten, Firmenpolitik, Werbeethik und Mitarbeiterbehandlung. Und seid Euch sicher, man muss nicht tief graben um ins Schaudern zu geraten.

Der Konsument stimmt immer noch mit den Füßen ab und nur was gekauft wird, ist erfolgreich. Deshalb wollen wir von runamics mit Euch gemeinsam eine Plattform schaffen, in der wir unter anderem auch erklären, wie Ihr in Eurem Konsum darüber mitbestimmen könnt, wie Dinge in unserer Welt laufen.

Vor allem aber geht es uns in allem was wir machen immer darum, deutlich aufzuzeigen, dass viele kleine Schritte mehr bewirken, als ein großer, den man sich vornimmt, der aber nie getan wird.

Eco-Shaming ist NULL produktiv

Wir schimpfen nicht über den Veganer der skandalöserweise Lederschuhe trägt, oder über die plastikfrei lebende Lehrerin die aber mit dem Auto zur Arbeit fährt.

Ecoshaming hilft wirklich niemandem.

Uns geht es darum, die vielen kleinen Schritte zu unterstützen und den sichtbaren Willen zu stärken, dass zunehmend mehr Menschen etwas ändern wollen.

Lasst Euch nicht bremsen von Menschen die Eure ersten kleinen Veränderungen belächeln und mit »whataboutism« Vergleiche anstellen, um von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. 

Die Kritik wird selten von Leuten kommen, die selber auf der Suche nach Veränderung sind und auch mal erste Schritte nahmen, sondern einzig von denen, die zu faul oder zu bequem sind, ihren eigenen Konsum zu hinterfragen.

Nehmen wir 2019 als großes Lehrjahr, in dem erst eine ganze Generation aufgewacht zu sein scheint und sich dann in großen Teilen der Bevölkerung ein Wandel im politischen Denken durchsetzte.
Und dann nehmen wir das Jahr 2020 und beginnen, unser Wissen umzusetzen. 

Stimmen wir mit jeder Konsumentscheidung darüber ab, wie lang Klamotten haltbar sein sollten, wie nötig die fünfte Frühlingsübergangsjacke ist und wie viel Mikroplastik aus unseren Shampoos, Waschmitteln oder Laufklamotten im Meer landet.

Und stimmen wir auch darüber ab, wie viele Kommentarleisten in sozialen Medien wir den Klimaleugnern, rechten Hetzern und Demagogen überlassen. Ob auf Demonstrationen gegen den Klimawandel, Lobbypolitik oder Rechtsradikalismus in unserer Stadt 500 oder 15.000 Menschen ihren Protest äußern, das entscheiden wir.

 

 

--- English ---

 

 

We live in exciting times. Depending on your perspective, you may interpret this phase as times of doom or times of departure. The current situation gives many people the feeling that they are overwhelmed by faster and faster developments. The recurring feeling is that you yourself are too small and your influence is not significant enough to cause change.

In addition, there is an almost chronic feeling of being overwhelmed by ever new problem areas and constantly emerging new issues that need to be dealt with. Just having turned vegan and dropping short-haul flights, you are suddenly no longer allowed to eat avocados and sweet potatoes. There is aluminum in the deodorant, even electric cars need a dirty battery and suddenly you are also told that all your sports clothing is made of plastic.

Of course, it is not surprising that this makes people feel overwhelmed and inhibited.

But there are also countless opportunities for us.

2019 - the year of awareness

While 2019 felt and probably scientifically proven was the year of consciousness, 2020 must be the year of activism. Last year, vegan lifestyle, climate change, flight shame, plastic in the sea or increasing right-wing radicalism were suddenly on the radar of a broader public.

Literature, mass media, podcasts and television programs dealt with these and other topics, the timelines in social media were overflowing with admonishing, but also often helpless words.

In many Western countries you can still see a huge gap between asking for change and really changing something. Take Germany for example. The Zurich insurance published a representative study which showed a significant imbalance between awareness and taking action. Especially in terms of travel, mobility, the use of electric devices (e.g. smartphones), and fashion, people are not acting in a sustainable way. A NYC weekend, the latest iPhone, and the new sneaker release seem too seducing. Especially young people show this mismatch. Older generations do not understand how people could go on the street for Fridays for Future but are not acting accordingly in each and every part of their life.

2020 - the year of taking action

In 2020, it is therefore up to all of us to take the next step. Awareness is fundament, but alone it is of little value - the starting holes in which we are standing (or sitting) are already covered with spider webs.

How can we transport the positive energy, from the knowledge just acquired, coupled with increasing displeasure, to a certain call-to-action and, last but not least, the necessary action?

Just as we can get rid of every bad habit through counteracting routines, we also have to develop routines together in order to get into a state of departure.

Because let's be honest: it has never been easier to find out about the problems of our time and, of course, about some obvious solutions. There are so many examples. Today, on the Internet, we can find information on many companies in the world and about their supply chains, production sites, company policies, advertising ethics and employee treatment.

And be ensured that you don't have to dig deep to be revolted. The consumers still vote with their feet and only the products that are bought are successful.

That is why we, at runamics, want to create a platform with you in which we explain, among other things, how you can help determine how things work in our world through your consumption.

Above all, however, everything we do is about clearly demonstrating that many small steps are more effective than one big one, which is never taken at all.

Eco-Shaming doesn´t help anyone

We won't complain about the vegan who scandalously wears leather shoes, or about the plastic-free teacher who drives to work by car. Eco-shaming really doesn't help anyone. 

We want to support the many small steps and strengthen the visible desire of more and more people, who want to change something.

Do not let yourself be stopped by people who smile at your first small changes and make comparisons with »whataboutism«, to distract from their own shortcomings.

The criticism will seldom come from people who are looking for change themselves and took their first steps, but only from those who are too lazy or too comfortable to question their own consumption habits. 

Let us take 2019 as a great year of learning, in which, firstly, a whole generation seems to have woken up and, secondly, in which large parts of the population have started to change their political thinking.

And now, we take 2020, which only started a few days ago, and start to apply our knowledge.

With every consumer decision, we vote on how long clothes should last, how necessary the fifth summer jacket is, and how much microplastics from our shampoos, detergents or running clothes end up in the sea. And let's also vote on how many comment bars on social media we leave to climate change deniers, right-wing activists and demagogues. We decide whether 500 or 15,000 people express their protest at demonstrations against climate change, lobby politics or right-wing radicalism in our village, city, or country.

 

 

(Image by Palash Jain)