Conscious Runner David: Vegane Feinkost nach getaner Arbeit

Mittlerweile ist es kein Geheimnis mehr, dass es aus vielerlei Hinsicht schlau ist sich pflanzlich zu ernähren (Klima, Gesundheit, effizientere Nährstoffaufnahme, Ethik, ...). Und auch im Sport ist man mittlerweile soweit, dass selbst Spitzenathleten*innen sich vegan ernähren. 

Wir möchten Euch hier David vorstellen. David Höh ist Langläufer und Biking-Enthusiast. Und zudem steht er auf gutes Essen. Veganes Essen. 

David gelingt es beide Leidenschaften miteinander zu verbinden und auch für andere zugänglich zu machen. Wie? Das hat er uns in einem kurzen Interview erklärt.

 

David, stell Dich doch bitte kurz vor.

Moin! Ich bin David, 36, aus Hamburg. Ich bin absolut sportbegeistert und am meisten mit dem Gravel Bike oder den (Trail)running Schuhen unterwegs. Wenn die Zeit es zulässt aber auch auf dem Surfbrett und und und…Ansonsten bin ich Vater zweier Kinder und arbeite als Heilpraktiker/Physiotherapeut und (Sport) Mental Coach.

 

Aus den Laufschuhen auf den Sattel oder andersherum? Was war zuerst da?

Der Sattel war zuerst da. Ich bin schon immer sehr gern Rad gefahren. 2008 kam das erste Rennrad, dann ganz schnell das erste Fixie und ein paar Jahre danach war ich im Bike Polo Kosmos angelangt. Zum Graveln bin ich Anfang 2019 gekommen, weil ich nach ein paar Jahren Pause wieder sportlicher Rad fahren wollte aber keine Lust auf klassisches Rennrad hatte. Laufen war früher immer ein „muss“ um Grundlagenausdauer für andere Sportarten zu trainieren. Auch da habe ich 2019 nach längerer Pause wieder angefangen und schnell sehr viel Spaß dran gefunden meine Grenzen immer weiter zu verschieben. So bin ich dann beim Trailrunning gelandet und ende 2020 dann gemeinsam mit meiner Freundin Elke meinen ersten Ultratrail gelaufen. Abenteuer und meine Grenzen erfahren sind meine zwei großen Motivationen.

 

Du hast das Vegan Gravel Camp ins Leben gerufen. Was ist das?

Gemeinsam mit meiner Freundin habe ich die Idee vom Vegan Gravel Camp seit dem Sommer 2020 entwickelt. 4 Tage schöne Gravel Touren im Harz ohne Wettkampfgedanken, nette Menschen, gutes veganes Essen. Einfach eine gute Zeit haben. Wir haben mit der „Cabin“ in Oderbrück eine wunderschöne Unterkunft, direkt im Nationalpark Harz, finden können. Von hier aus werden wir jeden Tag zwei verschieden schwierige Routen anbieten. Unser Küchenteam sorgt derweil für unser leibliches Wohl und am Abend gibt es noch die ein oder andere Yoga Session, kurze Vorträge, oder einfach ein leckeres Getränk. Der Harz liegt für „fast“ alle recht gut erreichbar und das ganze ist günstiger als Camps/Fahrradreisen in den Alpen oder auf sonnigen Inseln. 

 

Gravel Biking wird immer beliebter. Rennrad fahren im Wald?

Für mich nicht. Gravel fahren bedeutet für mich Neues entdecken, Abenteuer erleben und in der Natur sein. Die Geschwindigkeit steht weit hinten auf der Liste. Lieber schiebe, oder trage, ich mein Rad mal eine Passage und genieße dafür einen tollen Ausblick vom Gipfel, als möglichst schnell eine Waldautobahn entlang zu ballern. Das tollste ist einfach auf (fast) jedem Untergrund fahren zu können und somit wahnsinnig flexibel in der Routengestaltung zu sein. Gerne auch mit Bikepacking Taschen und komplettem Camping Equipment am Rad.

 

Was war Dein Lieblingsmoment bei den bisherigen Camps?

Da wir wegen der Pandemie bisher verschieben mussten, wird vom 6.-10. Oktober das erste Vegan Gravel Camp stattfinden.

 

Muss ich Veganer*in oder Uphill Pro sein, um dabei zu sein?


Weder noch! Die Routen sind so gestaltet, dass alle die ein bisschen Biss haben und ein paar Stunden im Sattel sitzen mögen dabei sein können. Und Veganer*in musst du nicht sein um beim Camp dabei zu sein. Es gibt in der Unterkunft tolles
veganes Essen und wir möchten gern zeigen, dass es dabei an nichts fehlen muss. Ist doch toll wenn offene Menschen kommen und etwas für sich mitnehmen können!

 

Ich nehme an, Du ernährst Dich nicht schon seit Deiner Kindheit pflanzlich, oder? Wann und warum kam die Erleuchtung? "The Game Changers" bei Netflix? :-)

Nach einer kurzen vegetarischen Phase in meiner Kindheit bin ich durch die Hardcore Punk und Polit-Szene, in der ich mich seit meiner Jugend bewegt habe, immer mehr mit Veganismus/Tierrechten/Herrschaftskritik in Kontakt gekommen und habe daraus meine Schlüsse gezogen. Komplett vegan lebe ich nun seit 14 Jahren. Für mich gibt es keine Rechtfertigung dafür, in unserer industrialisierten Wohlstandsgesellschaft, andere Lebewesen einzusperren, auszunutzen und zu töten. Mal abgesehen davon, dass die industrielle Tierhaltung ein riesiger Faktor in der Zerstörung unseres Planeten ist.

 

Viele leben ja irgendwie in ihrer "Blase", in der Fahrradfahren, fleischlose Ernährung, Plastikvermeidung und Ökokleidung der neue Standard sind. Von einigen Politikern auch gerne als die "grüne Bohème" bezeichnet. Was muss in Deinen Augen passieren, damit auch Leute außerhalb dieser "Blasen" von solchen Themen begeistert werden?

Ich denke wir können nur mit gutem Beispiel voran gehen und offen über diese Themen und ihre Bedeutung für alle Menschen und unseren Planeten sprechen. Gleichzeitig muss natürlich der Zugang erleichtert werden. Dazu gehören zb. eine gute Fahrradinfrastruktur, bezahlbare Produkte in guter Qualität usw.

 

Ist der bewusste Lebensstil mit den o.g. Themen eine Klassenfrage?

Er ist eine Frage der Reflexionsfähigkeit und auch der Kaufkraft. Ökokleidung oder sozial verträglich hergestellte Produkte sind immer noch eher im oberen Preissegment angesiedelt. Wobei natürlich die Billigpreise vieler konventioneller Hersteller total absurd sind und nicht als das „Normale“ gelten sollten. So werden sie aber von den meisten Menschen wahrgenommen. Daher müssen sich sowohl die Preise, als auch das Konsumverhalten der Menschen ändern.

 

Kommt bald das Vegan Running Camp?

Wer weiß…ne tolle Sache wäre es und es wird mit Sicherheit weitere Camps von uns geben!


Vielen Dank David.

Für alle die mitgraveln und -essen wollen: 

www.vegangravelcamp.de

Foto von Björn Lexius