Nachhaltige Laufschuhe - an Überblick for 2021

So wie wir auch sind viele Läufer auf der Suche nach einem umweltfreundlichen Laufschuh. Du auch? Die gute Nachricht vorweg: es passiert extrem viel und wir können in diesem Jahrzehnt wohl eine weitgehend “zu Ende” gedachte Lösung erwarten. Mit “zu Ende gedacht” meinen wir einen Laufschuh, welcher der Umwelt keinen Schaden zufügt, vielleicht sogar ganz im Gegenteil einen Nutzen bringt.

In diesem Blogpost möchten wir Dir einen Überblick geben, was aktuell schon geht und was in 2021 kommt. Doch zunächst zu den eigentlichen Problemen.

 

Die Probleme mit unseren Laufschuhen

Wirklich viele Schuhe

 tons of running shoes

Wenn in 2020 bei Sotheby's ein ungetragener Nike Laufschuh für 437.000 USD versteigert wird, ist dies sicherlich ein Beleg dafür, dass Laufschuhe eine gewisse Bedeutung erlangt haben. In den USA werden jährlich knapp 13 Mrd. USD für Sportschuhe ausgegeben, in China rund 10, UK 3. und in Deutschland ca. 2 Mrd. USD. Weltweit sollen es in 2020 ca. 51 Mrd. USD sein (Quelle: Statista). Rechnen wir mal mit einem Durchschnittspreis von 100 EUR pro Paar enden wir bei ungefähr 510 Millionen Paaren pro Jahr. Natürlich sind das nicht alles Laufschuhe. Aber ein beträchtlicher Teil davon sind es eben, lt. Runners World ca. 40% und damit ca. 200 Mio. Paar Laufschuhe.

Die meisten sind sich auch einig darüber, dass wir einzelnen Läufer sicherlich zu viele Paare kaufen, die wir vielleicht eigentlich gar nicht brauchen. 8 aktive Paar Laufschuhe machen vielleicht für Läufer Sinn, die athletische Ambitionen verfolgen, aber nicht für den Gelegenheitsläufer, der 2-3 Mal die Woche für 10 km auf die Straße geht.

 

Was reingeht: Plastik plus bedenkliche Chemie

plastic shoe

Die Menge der verkauften Paare wäre ja gar nicht das Problem, wenn diese nicht aus so schädlichen Materialien gefertigt wären.

Die Mittelsohle ist i.d.R. aus einem TPU (Thermoplastisches Polyurethan) oder EVA Schaum (Ethylenvinylacetat) gefertigt. Die Schäume werden häufig chemisch z.B. mit Stickstoff oder Kohlendioxid angereichert, um den funktionalen Nutzen zu verbessern. Gelegentlich werden andere Materialien in die Sohle eingearbeitet, wie z.B. das extrem leichte aber sehr robuste Verbundmaterial Carbon. Ein Kunststoff, in welches Kohlenstofffasern eingearbeitet werden.

Die Lasche, also der Oberschuh, welcher den Fuß umgibt, ist meistens aus verschiedenen Chemiefasern wie Polyester und Polyamid gefertigt. In der Polyesterherstellung kommen häufig bedenkliche Katalysatoren zum Einsatz, z.B. das nicht ganz so gesunde Schwermetall Antimon. Die Untersohle aus einem synthetischen Gummi oder ebenfalls EVA. Und weitere Komponenten wie Schnürsenkel, Fersenkappe, innenliegende Sohlenelemente, Einlegesohlen sind ebenfalls aus verschiedensten Kunststoffen gefertigt.

All das muss irgendwie miteinander verbunden werden. Hier kommen verschiedene Klebstoffe zur Anwendung, insbesondere um die Sohlenbestandteile zusammenzuhalten, sodass diese der großen Belastung beim Laufen standhalten.

Und natürlich müssen die Materialien auch noch gefärbt werden, damit der Schuh gut aussieht. Im Färbeprozess von Fasern und Kunststoffen variieren die Mengen krebserregender und gefährlicher Substanzen (z.B. Schwermetalle) abhängig von den gewünschten Farben.

 

Was übrig bleibt: giftiger Müll und Mikroplastik

Am Ende nichts Gutes

Landfill with plastic

Die Arbeit mit den o.g. Materialien ist nicht ganz ungefährlich, insbesondere mit den Klebstoffen und den davon abgehenden Dämpfen. Die großen Marken und ihre Partnerbetriebe haben in den letzten Jahren jedoch viel getan, um die Arbeitssicherheit bei der Herstellung in vielen Fabriken rund um den Globus zu verbessern. Schutzkleidung und gute Belüftungssysteme sorgen dafür, dass die Menschen nicht krank werden. Das ist sicherlich ein guter Fortschritt.

ABER: ist dies nicht paradox? Die Menschen, die diese Schuhe herstellen, müssen vor den giftigen Materialien geschützt werden die in den Schuhen verarbeitet werden. Beim Tragen gelangen die giftigen Substanzen vielleicht nicht auf direktem Wege nach außen, um den Träger zu schädigen (auch hier gehen die Meinungen auseinander). Doch wenn all diese Substanzen am Ende auf einer Mülldeponie landen, werden sie der Natur überlassen. Tiere und Mikroorganismen können mit diesem Stück Müll und seinen giftigen Nebenprodukten über die Jahrhunderte hinweg nicht viel anfangen, außer vielleicht daran zu erkranken oder zu sterben. Von TPU sagt man sogar, es zersetzt sich erst in ca. 1.000 Jahren vollständig (Quelle: Utopia.de).


Ja, in Deutschland und einigen anderen Ländern sind Mülldeponien im klassischen Sinne nicht mehr erlaubt, in vielen anderen aber eben doch. Bei uns landen die Schuhe meist im Restmüll und damit in der Verbrennung. Natürlich wurden die Substanzen nicht für eine Verbrennung entwickelt. Es entstehen giftige Gase und Residuen, die teilweise in der Asche verbleiben (die übrigens häufig als Sondermüll irgendwo entgelagert werden muss).

An Recycling eines modernen Laufschuhs mit so vielen verschiedenen Verbundstoffen und Materialien ist im übrigen nicht zu denken.

 

Umweltverschmutzung beim Laufen

Used running shoes

Wenn wir mit unserem Auto durch die Gegend fahren, nutzen die Reifen ab. Jeder Autobesitzer muss die Profilstärke seiner Reifen im Blick haben und die Reifen, abhängig vom Fahraufkommen und Fahrverhalten, regelmäßig wechseln. Doch wo ist das Profil geblieben? Klar, der feine Reifenabrieb bleibt auf der Straße und der Regen spült es an den Straßenrand und damit häufig in den Boden. Oder der Wind pustet die feinen Plastikpartikel durch die Luft. Pro Deutschem sind dies im Jahr durchschnittlich 1.000 g Reifenabrieb (Quelle: Fraunhofer Institute, Umsicht Studie).

Beim Schuh verhält es sich nicht anders. Der Durchschnittsdeutsche lässt jährlich ca. 109 Gramm Sohlenabrieb auf den Fußwegen. Ein aktiver Läufer dementsprechend mehr. Beobachte doch mal, wie wenig Profil Dein Laufschuh noch hat, wenn Du ihn entsorgst. Teilweise ist auch der TPU oder EVA Schaum porös geworden.

Der einzelne Läufer mag sagen, die paar Gramm sind doch egal.

Nö.

Lass uns weltweit doch mal spaßeshalber mit den oben erwähnten 200 Millionen Paar Laufschuhen pro Jahr rechnen und pessimistisch annehmen, dass jedes Paar Laufschuhe im Jahr 5 Gramm seines Materials auf der Straße lässt (häufig zählt die Untersohle aus synthetischem Gummi zum schwereren Teil des Schuhs). Das wären mal schlappe 1.000 Tonnen Mikroplastikabrieb im Jahr, die in der Umwelt landen. Zum Verhältnis: ein Mittelklasse-PKW wiegt ca. 1,3 Tonnen.


Aktuelle Ansätze für umweltfreundliche Laufschuhe

Kein Zweifel, die bisher verwendeten Materialien eignen sich perfekt für Laufschuhe. Sie sorgen dafür, dass man Laufschuhe entwickeln kann, die extrem belastbar und vielfältig gestaltbar sind. Zudem sind sie bedeutend leichter als der Fuß selbst. Moderne Laufschuhe haben ein Gewicht von 200 - 400 Gramm. Das ist nicht viel und bedeutet, dass der Sportler nicht viel zusätzliches Gewicht “mitschleppen” muss.

Die Frage ist aber doch, kann man keine Schuhe designen, die umweltfreundlich sind?

Die Antwort ist ja, man kann sie entwickeln. Viele Unternehmen sind dabei, sich dem Problem durch verschiedene Ansätze zu nähern. Keiner der Ansätze ist bislang als finale Lösung zu sehen, eher als erste Schritte in die richtige Richtung.

Im folgenden möchten wir Euch vier Ansätze vorstellen, die aktuell von Laufschuhherstellern verfolgt werden. Bewusst gehen wir nicht auf vegane Laufschuhe ein, denn das hat zunächst nichts mit Umweltfreundlichkeit per se zu tun. Ein giftiger Plastikschuh kann vegan sein. Dadurch hätte man folglich nicht viel gewonnen.

Wie in vielen anderen Industrien auch haben Hersteller unterschiedliche Ansätze, um sich dem Thema zu nähern. Im Grunde kann man hier zwischen den folgenden Ansätzen unterscheiden:

Ansatz 1: Recyceltes Material verarbeiten
Ansatz 2: Langlebigkeit bzw. Nutzungsdauer erhöhen
Ansatz 3: Regenerative, biologisch abbaubare Materialien einsetzen
Ansatz 4: Kreislauffähige Schuhe entwickeln

 

Ansatz 1: Recyceltes Material verarbeiten  - gut gemeint, das Problem aber nur verschoben

Empty PET-bottle on the beach

“Recycelte” Materialien zu verwenden scheint der wohl älteste und am weitesten verbreitete Ansatz zu sein. Die meisten Hersteller sind in diesem Bereich aktiv. Gemeint ist, dass man Plastikabfälle nimmt und diese wieder zu Material für neue Produkte verwendet. Diese Abfälle haben eine unterschiedliche Herkunft. Es kann sich um Produktionsabfälle handeln, z.B. Verschnitt von Stoffen oder Sohlenmaterial (sogenannter “Pre-Consumer Waste”) oder Konsumabfälle, z.B. alte PET Flaschen (sogenannter “Post-Consumer Waste”)

Vorteile:

  • Die Natur wird im Idealfall von nicht biologisch abbaubaren Abfällen befreit
  • Die Firmen haben geringere Kosten, denn sie müssen keine neuen Rohstoffe einsetzen, wenn sie Produktionsabfälle für neue Produkte verwerten können
  • In einigen Fällen geringerer CO2 Ausstoß als bei Verwendung neuen Materials
  • Einfach verfügbar und gut für das Marketing von Laufschuhen nutzbar, da der Nutzer keine Veränderung am Produkt spürt

      Nachteile:

      • Wenn das recycelte Material aus umweltschädlichen Substanzen besteht (was meistens der Fall ist), verschiebt man das Problem nur. Schließlich wird auch der Schuh aus recyceltem Material vom Endnutzer letztlich weggeworfen. Dieser Schuh ist dann nicht erneut recycelbar. Man nimmt also Müll, um daraus neuen Müll zu machen.
      • Alte Kunststoffe, die jahrelang im Wasser oder der feuchten Umwelt liegen, können stark schadstoffbelastet sein. Zudem waren vor vielen Jahren noch Chemikalien in der Kunststofffertigung zulässig, die mittlerweile längst verboten sind (BPA, Weichmacher, etc.). Ob es langfristig sinnvoll ist diese am verschwitzten Fuß oder Körper zu tragen, ist fraglich.
      • Um qualitativ hochwertige Rohstoffe aus recyceltem Material herzustellen, braucht es häufig einen hohen energetischen und / oder chemischen Aufwand.
      • Recycelte “Rohstoffe” werden oft um die Welt geschifft. Konkret: PET Flaschen werden in einem Land eingesammelt, in ein anderes Land verschifft, um daraus ein brauchbares Material zu machen (Recyclat), dann wird daraus ein Garn gefertigt welches wieder in ein anderes Land verschifft wird, um daraus ein Textil oder einen Schuh zu fertigen.

         

        Beispiele

        Anbei zeigen wir Euch ein paar Beispiele von Laufschuhen, die sich diesem Ansatz bedienen.

        Nike Flyknit

        Nike ist ein Vorreiter in Sachen Verwertung von Produktionsabfällen und auch in der Verwendung von rPET, also recyceltem Polyesters aus alten PET Flaschen. Das verstrickte Polyester in allen Flyknit Laufschuhen von Nike ist mittlerweile zu 100% recycelten PET Flaschen. Bislang (2020) hat Nike über 4 Millarden alte PET Flaschen um die Welt geschifft und zu neuen Plastikprodukten verarbeitet (https://purpose.nike.com/waste). Im Non-Running Segment gibt es weitere Modelle, bei denen wiederum bis zu 50% Produktionsabfälle untergebracht werden. Im Space Hippie Sneaker wird in der Mittelsohle z.B. geschredderter Zoom-X Schaum verklebt und eingearbeitet, auf dem auch Eliud Kipchoge seinen <2 Stunden Rekord gelaufen hat.

        Als umweltfreundlich oder bedeutend nachhaltig können diese Schuhe, bei denen der Oberschuh aus recyceltem PET gefertigt ist, in unseren Augen jedoch nicht bezeichnet werden.

        Nike Flyknit made with recycled PET yarn

        Adidas Primeblue

        Mit “Weil uns die Umwelt am Herzen liegt” wirbt Adidas für seine Primeblue Produkte. Primeblue ist ein Polyestergarn, dass zum Großteil aus altem Ozeanplastik hergestellt wird (gesammelt in Kooperation mit Parley). Der Oberschuh des Ultraboost 20 wird zu einem Teil mit dem Primeblue-Garn hergestellt. In der Produktbeschreibung steht “wurde mit Primeblue” hergestellt, von daher ist nicht zu 100% klar, um welchen Anteil es sich genau handelt. Auch hier gilt in unseren Augen, dass die Schuhe nicht wirklich viel nachhaltiges an sich haben.

        Adidas running shoe made with Primeblue

        Brooks

        Auch Brooks setzt auf recyceltes PET und will bis 2023 komplett auf dieses Material umstellen. Zudem hat Brooks eine Mittelsohle entwickelt, die sich biologisch schneller zersetzt als übliche Schuhsohlen. Die BioMoGo Sohle soll sich in ca. 20 Jahren zersetzen. Gleichzeitig soll sie performanter als herkömmliches EVA sein. Geworben wird mit der Sohle jedoch nicht sonderlich aktiv.


        Icebug

        Die Firma Icebug aus Schweden befasst sich schon länger mit der Frage, wie sie umweltfreundlicher sein können. Icebug selbst bezeichnet sich als klimapositive Firma. Dies erreichen sie durch überdurchschnittliche Kompensationsinvestitionen (Kauf von Zertifikaten, um CO2 Emissionen zu kompensieren). Zudem arbeitet Icebug an allen Bestandteilen des Schuhs daran, diese mit besseren Materialien herzustellen.

        Den Trailschuh RB9X bezeichnen sie selbst als den “wohl nachhaltigsten Laufschuh der Welt”. Der Oberschuh besteht zu 100% aus recyceltem Polyester, der Mittelsohle aus EVA-Schaum sind Algen beigemischt und der Untersohle sind Gummireste beigemischt. Zudem sind die CO2-Emissionen für diesen Schuh doppelt kompensiert. LINK

        Icebug RB9X


        Ansatz 2: Langlebigkeit bzw. Nutzungsdauer erhöhen - auf Lebensdauer produziert der Läufer dadurch weniger Abfall

        Dirty used shoes

        Dieser Ansatz richtet sich eher an die Nutzungsdauer des Schuhs, als an den Herstellprozess. Die Schuhe sollen möglichst lange halten und im Gebrauch sein. Wie sollte es anders sein, als dass bei diesem Ansatz zwei deutsche Hersteller punkten.

        Vorteile:

        • Die Läuferin / der Läufer muss sich nicht so häufig mit dem Neukauf von Laufschuhen beschäftigen
        • Das absolute Müllaufkommen mit Laufschuhen wird weniger

        Nachteile:

        • Langlebig heißt nicht umweltverträglich, denn auch diese Schuhe werden irgendwann entsorgt und werden verbrannt oder vergraben
        • Um ein Produkt langlebiger, müssen ggf. mehr Materialien eingesetzt werden, an denen die Natur noch länger zu “knabbern” hätte, sollte dieser Schuh auf der Müllkippe landen. Dies muss jedoch nicht pauschal auf diese Schuhe zutreffen.

         

        Beispiele

        Lunge Schuhe 

        Lunge fertigt seine Schuhe in Mecklenburg Vorpommern. Das Material wird in Deutschland und Europa zugekauft und die Schuhe werden in der eigenen Fabrik hergestellt. Lunge verfolgt bei der Materialauswahl teilweise als nachhaltig zu bezeichnende Ansätze, so werden z.B. für die Fersenkappe geschredderte CDs verwendet. Eine Besonderheit in Punkto Langlebigkeit ist, dass der EVA Anteil in der Sohle bei ca. 80% liegt. Dies ist wohl im Vergleich zu anderen EVA Sohlen recht hoch. Dadurch bleibt die Federung in der Sohle laut Lunge länger erhalten, als bei anderen Sohlen. Ein besonderer Clue bei den Lunge-Schuhen ist, dass man die Sohle erneuern kann. So muss man sich nicht direkt einen neuen Schuh kaufen. Die Neubesohlung kostet 80 EUR, dauert 14 Tage und muss vom Fachhandel durchgeführt werden (i.d.R. Orthopädie-Geschäfte). Wer einen Laufschuh für 3 Jahre trägt, der braucht auch ein zeitloses Design. Das Design des Schuhs ist eher weniger modern und wohl als das Gegenteil von progressiv zu bezeichnen. LINK

        Lunge Classic Run Running Shoe
         

        Runner Tune

        Runner Tune ist eine Schuhmanufaktur aus dem Süd-Osten Deutschlands. Ein Teil der Sohle wird aus Kork gefertigt. Auch hier ist ein Sohlenwechsel möchlich. Für 119 EUR wird die komplette Unter- und Mittelsohle erneuert und der Schuh auf seinen Leisten wieder in Form gebracht. Der Clue hier ist jedoch, dass der Schuh mit einem individuellen Fußbett angefertigt wird. Nachdem man den Schuh bestellt hat, wird einem ein Schaumkissen nach Hause geschickt, in das man seine Fußabdrücke eindrücken muss. Hiermit wird in der Manufaktur dann die richtige Sohle gefertigt. Mit ca. 500 EUR sticht er preislich jedoch ziemlich heraus. Optisch sind diese Schuhe, ähnlich zu den Lunge-Schuhen, eher als altmodisch zu bezeichnen. 

        runner tune running shoe

         

        Ansatz 3: Regenerative, biologisch abbaubare Materialien einsetzen - sehr gute Ansätze im frühen Stadium

        Cornfield

        Ein anderer Ansatz ist es, nicht biologisch abbaubare Kunststoffe durch regenerative und/oder biologisch abbaubare Materialien zu ersetzen. Die aktuell gängigste Praxis ist es hier, den bisherigen Materialien pflanzliche Komponenten beizumischen. Ganz auf Plastik zu verzichten hat bislang noch kein Unternehmen geschafft. Die Mittelsohle und die Klebstoffe des Laufschuhs stellen hier die größte Herausforderung dar. Durch das Beimischen ist das Endprodukt weiterhin nicht biologisch abbaubar, der Plastikanteil wird dadurch jedoch verringert. Ein anderer Ansatz wäre es, Kunststoffe zu verwenden, die biologisch abbaubar und unbedenklich sind. Unseres Wissens gibt es bislang jedoch keinen Laufschuhhersteller, der diesen Ansatz aktuell verfolgt.

        Vorteile:

        • Die Branche reduziert die Abhängigkeit vom Erdöl, ein nicht regenerativer Rohstoff
        • Pflanzlichen Rohstoffe wachsen nach
        • Im Idealfall ist der Schuh bzw. einzelne Komponenten biologisch abbaubar und nicht schädlich für Natur, sollte er am Ende in dieser landen

          Nachteile:

          • Sobald z.B. ein Sohlenschaum mit konventionellem Plastik vermischt wird, ist das Material i.d.R. nicht biologisch abbaubar
          • Viele argumentieren, dass der Lebensmittelbranche pflanzliches Material weggenommen wird. Dies ist jedoch eine ganz andere Diskussion mit vielen Pro und Contra Argumenten

             

            Beispiele

            Veja Condor

            Selbst bezeichnet Veja den Condor als den ersten Post-Petroleum Schuh. Außenschuh, Futter und Einlegesohle sind primär aus recyceltem PET gemacht. In der Sohle und anderen Elementen werden sythetische Kunststoffe mit pflanzlichen Komponenten vermischt. Die Mittelsohle enthält damit nur noch ca. 60% klassischen EVA Schaum, der Rest ist aus Zuckerrohr und Bananenöl gemacht. In der Untersohle werden 40% herkömmlicher Latex mit natürlichem Latex vermischt, usw.

            Unser befreundeter Michael Mankus ist ein sehr erfahrener Ultraläufer und hat auch beruflich mit Laufschuhen zu tun. Er hat den Veja Condor auf ein paar Distanzen getestet. Sein Urteil fällt eher mäßig aus: “Wer sonst leichtes Schuhwerk beim Laufen gewohnt ist, für den wird der Schuh schnell zu schwer. Er ist in einer Liga mit älteren Brooks oder Asics Modellen und ist daher nicht direkt mit einem modernen Laufschuh zu vergleichen. Für Anfänger, die 2 x 5 Kilometer die Woche laufen, ist der Schuh absolut okay. Für Läufer mit mehr Kilometerleistung pro Woche ist dieser Schuh, rein funktional betrachtet eher nicht die beste Wahl.

            Die Runners World hingegen bezeichnet den Schuh als einen gelungenen Schuh für Distanzen bis zum Halbmarathon. Bewundernswert ist jedoch, dass die Marke Veja ja eigentlich kein Hersteller von Performance Schuhen ist. Vor dem Hintergrund ist dieser Schuh ein gelungener erster Aufschlag und für Hobby-Läufer wie viele unter uns sicherlich eine brauchbare Alternative. Zudem kann man erwarten, dass Veja hier nicht aufhören wird, sondern weiter an den Materialien aus pflanzlichen Stoffen arbeiten wird. Ein Post-Petroleum Schuh ist es jedoch noch lange nicht und in der Umwelt darf dieser Schuh nicht landen. Der Schuh wiegt 311 gr und hat eine Sprengung von ca. 10 cm (das bezeichnet den Höhenunterschied der Sohle von hinten nach vorne)
            LINK

            Wir haben einige Gerüchte gehört, dass in Veja ein weiterer Laufschuh in der Pipeline ist, der leichter sein sollte als der Condor. Wir sind gespannt, mal sehen was als nächstes kommt. 

            veja condor running shoe

            Reebok Forever Floatride Grow

            Der Forever Floatride Grow verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie der Schuh von Veja, teilweise jedoch mit einem anderen Rezept. Rizinusöl in der Mittelsohle, Algenbasierte Einlegesohle, Eukalyptusfaser im Oberschuh und Naturkautschuk in der Untersohle. Reebok wird auf der Website nicht genauer, was genauen Materialanteile angeht, kommuniziert jedoch, dass der Schuh zu 59% aus bio-basierten Materialien gefertigt wird. Auch hier gilt wie bei Veja, die Kompomenten wurden mit pflanzlichen Substanzen vermengt, der Schuh ist weiterhin nicht biologisch abbaubar oder ähnliches und sollte im Idealfall verbrannt werden. Mit 264 gr ist der Reebok knapp 50 gr leichter als der Veja. LINK 

            reebok forever floatride grow sustainable running shoe


            Allbirds Tree Dasher

            Auch Allbirds gehört zu den Neuankömmlingen in der Laufszene. Die verwendeten Materialien sind ähnlich zu denen von Reebok und Veja, jedoch wieder unterschiedlich eingesetzt. Rizinussamen in der Zwischensohle, Oberschuh aus Eukalyptusfaser, Zwischensohle aus einem Zuckerrohr-EVA, Naturkautschuk in der Untersohle und Merinowolle in der Ferse. Die Sprengung ist beim Tree Dasher etwas flacher als bei Veja oder Reebok. Allbirds kompensiert sämtliche CO2 Emissionen für den Schuh und ist hier sehr transparent.

            Fabian Hörst, Gründer von Planetics (Online-Handel für nachhaltige Sportmode), hat den Schuh auf seinen Läufen getestet:

            “Im vorderen Teil des Schuhs hat man sehr viel Platz. Außerdem bemerkte ich, dass die Schuhe einen Tick schwerer waren als meine bisherigen Laufschuhe. Insgesamt macht der Schuh auf mich einen hoch-qualitativen Eindruck. Die bereits erwartete Bequemlichkeit bestätigte sich beim Laufen. Nach den ersten gelaufenen Kilometern fühlte sich der Dasher für mich persönlich jedoch sehr klobig an. Hinzu kam die Hitze, die sich im Inneren des Schuhs entwickelte. Erst suchte ich hierfür die Schuld am sonnigen und warmen
            Wetter. Jedoch bestätigte sich mein Gefühl auch bei den weiteren Läufen im Regen. Fazit: Ich persönlich fühle mich mit anderen Laufschuhen wohler, da mir gewisse Eigenschaften beim Laufschuh wichtig sind. So z.B. ein enger Sitz und gutes Innenklima. Jedoch kann der Dasher für viele der Laufschuh schlechthin sein, er ist wunderbar verarbeitet. Wie bei allem im Leben sind die Geschmäcker eben verschieden.” LINK

            allbirds tree dasher eco minded running shoe

            Hylo

            Hylo ist ein stiller Newcomer in der Laufschuh-Szene über den bislang nur wenig bekannt ist. Eine Londoner Agentur steckt hinter dem Markenaufbau, die Schuhe werden in Putian / China gefertigt. Der Schuh verwendet verschiedene bio-basierte Materialien. So wird mit einem Nebenprodukt aus der Maisproduktion der Oberschuh gestrickt, in der Mittelsohle werden ebenfalls Maisstärke und Rizinusöl hinzugefügt. Die Einlegesohle besteht aus Algenmaterial (Bloom, siehe icebug, Vivobarefoot, etc.) und Biobaumwolle, wie auch die Schnürsenkel. Der Schuh soll zurückgeschickt werden und es heißt auf der Website, dass die Sohle geschreddert wird und zu einer neuen Sohle verarbeitet wird und der Oberschuh kompostiert wird. Was und wer genau dahinter steckt, ist leider nicht bekannt. Auf der Website gibt es keinerlei About Us Section oder ähnliches, was sehr wünschenswert wäre und dem tollen Projekt mehr Glaubwürdigkeit und Identität stiften könnte. LINK

            Hylo sustainable running shoes

             

            Vivobarefoot Primus Lite II (Bio)

            Wie der Name schon sagt ist dieser Schuh nur für eine bestimmte Zielgruppe gedacht: für Barfußläufer. Während der Primus Lite II zum Teil aus recyceltem PET gefertigt wird, wird beim Primus Lite II Bio Pflanzenmaterial beigemischt (30%). Im Obermaterial werden Nebenprodukte aus der Maisverarbeitung und Pflanzenfasern verarbeitet. In der Sohle werden Naturkautschuk und Algenmaterie (Bloom, wie auch bei Icebug) beigemischt. LINK

            Vivo Barefoot Prime Lite II

            Luna Running Sandals Origen 2.0

            Wer als Barfuß-Anwärter oder Profi weniger Material am Fuß haben möchte, für den sind vielleicht die Laufsandalen Origen 2.0 von Luna Sandals etwas. Der “umweltfreundlichere” Charakter bei dieser Sandale ergibt sich daraus, dass die Sohle aus einem alten Autoreifen gemacht ist und im Vergleich zum herkömmlichen Schuh schlichtweg aus wenig Material besteht :-) LINK

            Luna origen 2.0 running sandals

            Ansatz 4: Kreislauffähige Schuhe entwickeln - sehr vielversprechend: 2021 wird das Testjahr für die großen Player

            Circular mechanisms

            Schuhe im eigenen Kreislauf zu entwickeln ist die nächste Evolutionsstufe in Sachen nachhaltige Laufschuhe. Die Idee ist, dass die Schuhe entweder aus einem Material gefertigt sind (Mono-Material Schuh) oder aus leicht trennbaren Materialien. Die Schuhe werden nach Gebrauch an die Hersteller zurückgegeben und im Anschluss zu neuen Schuhen verarbeitet. In diesem Bereich gehen im kommenden Jahr 2021 gleich drei große Player an den Start, die wir Euch hier gerne kurz vorstellen möchten.

            Vorteile:

            • Materialien bleiben im Kreislauf und können im Idealfall sehr oft wieder verwendet werden
            • Unternehmen müssen nicht fortwährend neue Rohstoffe in großen Mengen einkaufen, sondern bauen sich einen eigenen Materialfluss auf, den sie selbst steuern können
            • Unternehmen und Kunden können enger zusammenrücken und besser voneinander lernen (Mitgliedschaften, Rücknahmemechanismen, etc.)
            • Endkunden kaufen nicht mehr unzählige neue Laufschuhe aus reiner Kauflaune, da sie vielleicht eine Schuhmitgliedschaft mit einem Hersteller abgeschlossen haben

              Nachteile:

              • Man kann die Schuhe nicht mehr einfach in die Mülltonne werfen ;-)
              • Wenn die Komponenten nicht aus unbedenklichen Materialien gefertigt werden, produzieren sie während des Laufens weiterhin schädlichen Mikroplastikabrieb

               

              Beispiele


              Adidas Futurecraft Loop

              Ein beeindruckendes Konzept. Laut eigenen Angaben hat Adidas 10 Jahre an dem Futurecraft Loop entwickelt. In mehreren Iterationen wurden die Schuhe mit Ahtleten und Kreativen getestet. Der gesamte Schuh besteht aus einem einzigen Material: TPU, was sonst üblicherweise nur für das Sohlenmaterial verwendet wurde. Der gesamte Schuh soll nach seinem Gebrauch wieder zurück an Adidas gehen, geschreddert, eingeschmolzen und zu einem neuen Futurecraft Loop gemacht werden. Ein komplett geschlossener Kreislauf also. Der Schuh soll im Frühjahr / Sommer 2021 gelauncht werden. Von der Performance können wir uns sicherlich auf die gewohnte Boost Qualität freuen. LINK

              Adidas Futurecraft Loop Circular Running Shoe

               

              ON Cyclon

              Der Ansatz vom On Cyclon ist identisch. Der gesamte Schuh ist aus einem Material gefertigt. Jedoch kein Erdöl-basiertes Material wie es scheint, sondern aus Rizinusöl. Der Rest funktioniert wie auch bei Adidas, der Schuh wird danach geschreddert, eingeschmolzen und zu einem neuen Schuh verarbeitet. Im Gegensatz zu Adidas ist On mit dem Geschäftsmodell schon einen Schritt weiter. Man kann den Schuh nicht mehr klassisch kaufen. Man zahlt monatlich 29 Euro und darf ihn dann entsprechend nutzen. Nach einer gewissen Zeit kann man ihn dann zurückgeben und bekommt auf Wunsch einen neuen Schuh. Man kann sich aktuell für den Schuh eintragen: Link

              ON Cyclon eco running shoe made for circularity

               

              Salomon Index 1.0

              Die dritte im Bunde ist die Marke Salomon. Sie haben sich in den letzten Jahren viel Kredibilität erarbeitet, sowohl bei Sportlern als auch im Lifestyle Segment. Natürlich darf hier ein progressiver nachhaltiger Laufschuh nicht fehlen. Und dieser sieht vielversprechend aus. Der Index 1.0 wird voraussichtlich aus 2 Materialkomponenten gefertigt sein. Die Sohle und er Oberschuh werden nach der Kundenrücksendung voneinander getrennt wieder aufbereitet. Salomon verspricht jedoch nicht, dass daraus unbedingt wieder Laufschuhe werden. Ein Teil des Kreislaufmaterials soll z.B. in die Ski-Schuhe der Marke gehen. Fraglich nur, ob es danach im Kreislauf weitergeht oder ob dann hier das Ende der Wiederverwertung erreicht ist. In jedem Fall können wir auch hier gespannt sein, wie der Schuh und das Rücknahme-Konzept sich beweisen. LINK

              Salomon Index 0.1 recycling running shoe 2021

              Fazit

              Die perfekte Lösung solution

              Die Vision der Branche sollte folgende sein:

              • ein Laufschuh, der aus regenerativen Materialien besteht (pflanzlich)
              • alle Substanzen sind unschädlich für Natur und Mensch (kein schädlicher Sohlenabrieb)
              • am Ende des Lebenszyklus kann das Material wieder zu einem Schuh verarbeitet werden, ohne Qualitätsverlust
              • er sollte unter sozial freundlichen Bedingungen produziert und vermarktet werden
              • Die Energie, die für die Herstellung (und den Transport) aufgewendet wird, sollte regenerativ sein
              • Materialflüsse sollten “distanz-optimiert“ sein, um Emissionen im Transport zu sparen
              • Die Verpackung sollte so harmlos und wertstiftend sein, wie das Produkt selbst


              Da dies jedoch zur heutigen Zeit eher eine Wunschvorstellung ist, bilden sich zwei ernsthaft sinnvolle Ansätze: Entweder der Schuh und seine Materialien funktionieren komplett im eigenen Kreislauf. Adidas und On scheinen hier aktuell am weitesten zu sein. Oder der Schuh ist komplett biologisch abbaubar und unschädlich. Reebok und Veja sind hier sicherlich die Vorreiter.

               

              Mit dem Kauf ein Signal senden 

              Es ist völlig verständlich, dass viele Läufer bei all den Ansätzen und Marketingversprechen auf Durchzug stellen und sich überfordert fühlen. Also kauft man einfach. Man kann hier niemandem einen Vorwurf machen. Bei all den Diskussionen um Nachhaltigkeit können wir eines nicht erwarten: dass wir Konsumenten die Probleme lösen, indem wir uns einschränken. Dadurch werden die Produkte schließlich auch nicht umweltfreundlich.

              Als Endkäufer haben wir aber mit jeder Kaufentscheidung eine Stimme. Wenn also mehr Kunden die Produkte kaufen, die eine nachhaltige Absicht haben, kommt diese Botschaft bei den Unternehmen an. Folglich werden mehr Investitionen in die Weiterentwicklung dieser Produkte fließen. Dies ist im Übrigen in allen Branchen so, auch beim Häuserbau, Zahnpastakauf oder Autokauf.

              Die Laufschuhhersteller wissen alle, dass sie etwas machen müssen und testen jetzt, wie ihre ersten Ansätze im Markt ankommen. Also lasst uns diese Ansätze wertschätzen und mit dem nächsten Kauf von Laufschuhen die richtigen Signale zurücksenden.

               

               

              Bilder Quellen:

              Atanas Dzhingarov (Unsplash)
              Noah Buscher Unsplash)
              Leonid Danilov (Unsplash)
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